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FLIMMO 10/2009 - Erziehungsfernsehen
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Medienarbeit mit KindernMedienpädagogische ElternarbeitErziehungshilfe im FernsehenKritisch hingeschaut: Kinder vor der Kamera

Erziehungshilfe im Fernsehen – und was Kinder davon halten

Seit der „Super Nanny“ hat das Thema Erziehung Hochkonjunktur im Fernsehen. Dennoch reagiert das Publikum zwiespältig: Während manche in den Sendungen ernsthaftes Anschauungsmaterial finden, amüsieren sich andere über die desolaten Verhältnisse der Beteiligten und andere Zuschauer lehnen diese Angebote schlichtweg ab. Auch Kinder stehen sind diesbezüglich geteilter Meinung, wie FLIMMO in einer Kinderbefragung herausgefunden hat. Meist sind es ältere Kinder, ab etwa Ende des Grundschulalters, die die ein oder andere Erziehungssendung schon einmal gesehen haben.

„Ich weiß halt nicht, ob das nur Show ist oder auch Wirklichkeit. Das weiß man ja nie wenn’s im Fernsehen läuft“
... stellt Manuela (12 Jahre) treffend fest. Tatsächlich, ob „Super Nanny“, „Die Superlehrer“ oder „Die Schulermittler“: Zu sehen gibt es hier eine inszenierte Realität, die mit dramaturgischen Mitteln Emotionen schürt – von der Auswahl der Beteiligten über die ausgewählten Szenen bis hin zur musikalischen Untermalung und den Kommentaren der Sprecher. Bei manchen Angeboten, wie z.B. den Schulermittlern, ist alles gestellt: Laiendarsteller stellen Konflikte und Vergehen im Schulalltag anhand eines Drehbuchs nach. Die Kameraführung vermittelt den Eindruck, unmittelbar vor Ort zu sein, „Experten“ und die Aussagen von Beteiligten sollen dem Ganzen Seriosität verleihen. Für Kinder und auch manchen Erwachsenen können diese Darstellungsformen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen.

„Also die Super Nanny hilft Eltern mit schwer erziehbaren Kindern. Die gibt Tipps, damit die Eltern ihre Kinder nicht schlagen und nicht selber ausrasten“
... so fasst die elfjährige Mareike die Sendung zusammen. Für manche der befragten Kinder sind die Tipps und Verhaltensregeln in Sachen Erziehung durchaus brauchbar und stoßen in einigen Familien auch auf Anklang: „Na, da kann man sich schon ein bisschen was abgucken, wenn man selbst Probleme hat mit der Familie. Wenn ich das jetzt mit meinen Eltern geguckt hab, haben die auch schon öfter gesagt: ‚Ja, das ist gut, müssen wir auch mal einführen’“, erzählt Marius (13 Jahre). Drei Viertel der befragten Kinder sind der Meinung, bei den Sendungen des Erziehungsfernsehens etwas lernen zu können. Das sind vor allem konkrete Regeln, an die sich die Kinder erinnern, aber auch, dass man sich an einen Tisch setzen und miteinander reden soll. Diese Bereitschaft offen über Probleme und Ängste sprechen zu können, das wünschen sich viele Kinder auch für ihren eigenen Familienalltag.

Trotz einiger positiver Aspekte sind die pädagogischen Absichten der Sendungen durchaus in Frage zu stellen: Nutzen Patentrezepte den Betroffenen überhaupt? Beigebracht wird den überforderten Eltern, sich gegenüber dem Nachwuchs durchzusetzen – den Kindern und Jugendlichen wird eingebläut, dass sie zu parieren haben. Soll die Eltern-Kind-Beziehung langfristig wieder ins Lot kommen, sind tiefergehende Maßnahmen notwendig. So schätzt Martin (11 Jahre) ein: „Weil die verlernen das ja auch wieder. So wie in der Schule.“

„Also das ist jetzt eigentlich nicht so, dass man das im Fernsehen zeigen müsste. Weil, das ist eigentlich Familienangelegenheit.“
... urteilt die elfjährige Marie über das Erziehungsfernsehen. Aus medienpädagogischer Sicht ist das ein Hauptkritikpunkt an solcherlei Formaten: Menschen mit Problemen werden zur Schau gestellt, ihr Privatleben öffentlich verhandelt. Welche individuellen Folgen das für die Betroffenen haben kann, ist im Voraus nicht abzusehen. Schließlich schaut nicht nur ein anonymes Fernsehpublikum zu, sondern auch Freunde, Nachbarn und Mitschüler.
Außerdem wird durch die Extrembeispiele und die Einseitigkeit der Darstellung oftmals ein abschreckendes Bild vom familiären Miteinander vermittelt. Was auf der Strecke bleibt, sind die positiven Seiten des Zusammenlebens mit Kindern und Jugendlichen, ebenso wie alltagsnahe Tipps und Anregungen für das normale Familienleben.

Ausgewähltes Schwerpunktthema

Erziehungsfernsehen

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