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FLIMMO 10/2009 - Erziehungsfernsehen
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Erziehungs-TV aus Kindersicht
Medienarbeit mit KindernMedienpädagogische Elternarbeit

Erziehungs-TV aus Kindersicht: Eine Einordnung

Die sogenannten Erziehungs-Sendungen¹ gehören nicht zu den Fernsehfavoriten der Kinder. Nichtsdestotrotz sehen gerade auch ältere Kinder gelegentlich Sendungen dieses Formats, sei es als Mitseher im Familienkreis oder weil spannendere Programmalternativen gerade nicht verfügbar sind.

Von den 75 befragten Mädchen und Jungen der aktuellen FLIMMO-Kinderbefragung² schauen die meisten nur ab und zu Erziehungssendungen an oder haben sie bisher lediglich einmal angesehen. Nur ein relativ kleiner Teil der Kinder verfolgt mindestens eine dieser Sendungen regelmäßig. Als Lieblingssendung bezeichnen nur zwei Mädchen eine Erziehungs-TV-Sendung. Von den 55 Kindern, die entsprechende Sendungen überhaupt mehr oder weniger regelmäßig anschauen, sitzt ca. die Hälfte der Kinder nicht allein vor dem Bildschirm, sondern gemeinsam mit Eltern oder Geschwistern.

In den Sendungsbeschreibungen der Kinder zeigt sich, dass die Jüngsten zum Teil nur bruchstückhaft erfassen, worum es in diesen Sendungen geht. Entsprechend schwer fällt es ihnen, das Gesehene mit eigenen Worten zu beschreiben. So ein Siebenjähriger, der die Sendung „Die strengsten Eltern der Welt“ mit seinen älteren Geschwistern anschaut: „Die tu ich schon oft gucken, aber ich tu’s nicht so verstehen.“

Ab etwa neun Jahren beschreiben die Kinder das Geschehen zusammenhängender. Am Beispiel der Sendung „Die Super Nanny“ fällt allerdings auf, dass einige Neunjährige sich vor allem auf bestimmte Aspekte des Geschehens konzentrieren. So fokussieren sie z.B. auf die Kinder vor der Kamera, wie z.B. die neunjährige Sina, die „Die Super Nanny“ beschreibt: „Ja, also da sind immer so Kinder, die ganz doll Streit mit den Eltern und unter sich halt immer so Streit haben und da macht die [Super Nanny] das immer, dass das wieder in Ordnung ist.“ Oder sie ergreifen Partei für die gezeigten Kinder, wie der gleichaltrige Torsten: „Ja, da sind halt manchmal ziemlich strenge Eltern. Ich glaube, dass die Kinder jetzt halt nicht so böse sind.“

Fast drei Viertel der Kinder (72%), die diese Sendungen ansehen, sind davon überzeugt, dass man durch das Anschauen dieser Sendungen etwas lernen kann und 15 Prozent glauben, dass dies zumindest manchmal der Fall ist. Dabei stehen konkrete Tipps und Regeln im Vordergrund, wie der elfjährige Branko in Bezug auf „Die Super Nanny“formuliert: „Wenn es jetzt so Familien gibt, die nicht die Super Nanny engagieren, aber auch Streit haben, dann haben die auch Ideen für Regeln und so.“

In den Ergebnissen der aktuellen Kinderbefragung zeigt sich, dass durch Sendungen wie „Super Nanny“ das Bild von Erziehung von familiärem Miteinander durchaus beeinflusst wird. Die Darstellungsformen und die gezeigten „Erziehungsrezepte“ sollten deshalb in der pädagogischen Arbeit thematisiert werden. Ziel ist es, Kindern einen kritischen und reflektierten Umgang mit solchen Angeboten nahezubringen. Darüber hinaus können diese Sendungen zum Anlass genommen werden, um über Erziehungsfragen, die Bedeutung von Regeln für das Familienklima und Ähnliches zu diskutieren. Ansatzpunkte ergeben sich sowohl bei der medienpädagogischen Arbeit mit Kindern als auch bei der Elternarbeit (die Texte können den Eltern auch als Ausdruck mitgegeben werden).

Den ausführlichen Bericht zur Kinderbefragung finden Sie hier.


¹ Zum Zeitpunkt der Erhebung wurden ausgestrahlt: Super Nanny (RTL), Erwachsen auf Probe (RTL), Die Superlehrer (SAT.1), Die strengsten Eltern der Welt (Kabel 1), Schluss mit Hotel Mama! (Kabel 1), Jugendcoach Oliver Lück (SAT.1)

² Befragt wurden 75 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren, wobei das Hauptgewicht auf Kindern ab neun Jahren lag.

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Erziehungsfernsehen

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